Geothermie Sinsheim

Regionale Erdwärme für eine sichere und unabhängige Wärmeversorgung der Thermen & Badewelt Sinsheim.

Das Vorhaben

Die Thermen & Badewelt Sinsheim ist ein fester Bestandteil der Erlebnisregion Sinsheim und ein verlässlicher Faktor für Tourismus, Beschäftigung und regionale Wertschöpfung. Um unabhängiger von fossilen Energieträgern zu werden, ist die Transformation unserer Energie- und Wärmeversorgung hin zu einer Nutzung regional verfügbarer Erdwärme von großer Bedeutung: Mit der Tiefengeothermie als erprobter Form der Wärmeversorgung möchten wir auf eine Wärmequelle setzen, die bereits vergleichbare Thermen- und Badebetriebe, darunter die Therme Erding, zuverlässig versorgt. Dadurch können wir in Zukunft einen großen Teil unserer Wärmeversorgung unabhängig von stetig steigenden Energiekosten und globalen Krisen gestalten.

Mit der Geothermieanlage möchten wir das bestehende Erdwärmepotenzial in bis zu 1.000 Metern Tiefe für die Wärmeversorgung der Thermen & Badewelt in Zukunft nutzen und die dort vorhandenen Temperaturen von rund 50°C als Wärmequelle erschließen. Um das mögliche Versorgungspotenzial vor den ersten Tiefenbohrungen besser einschätzen zu können, verschaffen wir uns zunächst mithilfe der Seismik ein genaues Bild der Untergrundverhältnisse bei Sinsheim. Hierfür ist eine Aufsuchungserlaubnis notwendig, die derzeit vorbereitet wird und zeitnah bei der zuständigen Behörde, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) in Freiburg, zur Prüfung eingereicht wird.

Da die Realisierung sowie die Ausgestaltung der geplanten Geothermieanlage maßgeblich von den Erkenntnissen aus der Seismik abhängig ist, können derzeit noch keine konkreteren Aussagen zu dem Vorhaben und vor allem zum Zeitplan getroffen werden.

Die seismischen Messungen

Im Rahmen der seismischen Voruntersuchungen setzen sogenannte Vibro-Trucks oder Seismik-Trucks (=LKWs mit Vibratoren) durch einen Impuls ihrer beweglichen Bodenplatte die Erdoberfläche in leichte, kaum wahrnehmbare Schwingungen. Das durch das Gestein reflektierte Signal wird empfangen und ausgewertet. So entsteht ein 3D-Bild von der Zusammensetzung des Untergrunds. Anschließend werden die Messergebnisse mit den bereits vorhandenen Daten abgeglichen. So kann der optimale Bohrstandort für die Nutzung der Tiefengeothermie bestimmt werden.

Während beispielsweise der Oberrheingraben hinsichtlich seines geothermischen Potenzials untersucht wurde, fehlt in Sinsheim noch eine vergleichbare Datengrundlage. In einem ersten Schritt werden dafür mit der sogenannten Seismik tieferliegende Gesteinsschichten mithilfe von Druckwellen untersucht, um anschließend ein 3D-Modell des Untergrundes zu erstellen. Ziel ist es, detaillierte Informationen über das vorhandene Tiefen-Grundwasser zu erhalten. Die Messungen dauern nur wenige Tage, sind lärmfrei, ungefährlich und haben keine Auswirkungen auf lokale Wasserquellen.

Nach aktuellem Zeitplan und vorbehaltlich der Genehmigung der Aufsuchungserlaubnis werden die seismischen Untersuchungen voraussichtlich Ende Herbst 2026 beginnen können. Vor Beginn der Arbeiten wird die Öffentlichkeit selbstverständlich umfangreich informiert. Die komplette Prüfung und Auswertung der gewonnenen Daten wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2027 abgeschlossen sein. Die durch die Seismik gewonnenen Messdaten geben Aufschluss darüber, ob das Geothermievorhaben in Sinsheim tatsächlich umgesetzt werden kann. Zudem können durch die Seismik wichtige Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob und in welchem Umfang eine Nutzung der tieferen grundwasserführenden Schichten für die Thermen & Badewelt sowie die Stadt Sinsheim in Zukunft möglich ist.

Die Funktionsweise der Geothermie

Geothermie (Erdwärme) bezeichnet die natürlich vorkommende Wärmeenergie, die im Erdinneren gespeichert ist. Sie gilt als bewährte Alternative zu fossiler Energie, da es sich um eine erneuerbare Energiequelle handelt, die nahezu unerschöpflich zur Verfügung steht. Dabei wird eine wasserführende Gesteinsschicht in der Tiefe erschlossen, aus der Thermalwasser mithilfe einer Pumpe an die Erdoberfläche gefördert wird. Geothermie ist vielseitig nutzbar: Sie kann zum Heizen und – bei ausreichend heißem Wasser – auch zur Stromerzeugung genutzt werden. Grundsätzlich wird zwischen oberflächennaher (bis 400 Meter Tiefe) und tiefer Geothermie (400 bis 5000 Meter Tiefe) unterschieden. Die Rhein-Neckar-Region weist ein hohes geothermisches Potential auf: In Tiefen von bis zu 3.000 Metern herrschen Temperaturen von bis zu 120 Grad. Für die Wärmeversorgung durch Tiefengeothermie sind dies hervorragende Voraussetzungen. Zudem hat sich die Tiefengeothermie in vielen Regionen Deutschlands als verlässliche Form der Wärmegewinnung bewährt: Im Gegensatz zu Wind- oder Solarenergie ist sie wetterunabhängig und somit rund um die Uhr nutzbar. Zudem bietet sie eine stärkere Unabhängigkeit vom Markt fossiler Energieträger und erhöht so die regionale Versorgungssicherheit.

Weitere Informationen zur Geothermie finden Sie hier:

Aktuelles

FAQ

Im Bereich FAQ, der kontinuierlich erweitert wird, finden Sie Antworten zu Fragen rund um das Vorhaben. Da sich das Vorhaben in einer sehr frühen Projektphase befindet, können derzeit leider noch keine spezifischen Aussagen beispielsweise zur genauen Ausgestaltung der Anlage, der Leistung, Nutzungsmöglichkeiten von Tiefengrundwasser oder dem weiteren Zeitplan getroffen werden. 
Ob und in welchem Umfang eine Anbindung von öffentlichen und privaten Verbrauchern möglich ist, hängt in erster Linie von den Ergebnissen der seismischen Untersuchungen und dem tatsächlich verfügbaren Versorgungspotenzial ab. Zudem müssten die entsprechenden Gebäude an ein Wärmenetz angeschlossen werden, dessen Bau und Betrieb unabhängig von der Thermen & Badewelt finanziert werden muss. Zunächst gilt es somit die Ergebnisse der seismischen Untersuchungen abzuwarten, in deren Anschluss und beim Vorliegen eines ausreichenden Versorgungspotenzials Gespräche für den Anschluss öffentlicher und privater Gebäude geführten werden können.
Geothermie gilt als nahezu unerschöpfliche Energiequelle, da die Temperaturen im tiefen Untergrund über das ganze Jahr hinweg konstant bleiben. Hierfür sorgt der stete Wärmestrom aus dem Erdkern. Die Förderbohrung der Geothermieanlage wird so ausgelegt, dass im Laufe einer Betriebszeit von 50 Jahren keine Veränderungen eintreten. Rund um die Reinjektionsbohrung erzeugt das wieder eingeleitete und erkaltete Thermalwasser eine minimale Abkühlung im umgebenden Gestein. Der stete Wärmestrom aus dem Erdinneren wärmt dieses Gestein bis zur umgebenden Temperatur auf. Eine Geothermieanlage wird so geplant, dass der abgekühlte Bereich den Bereich der Förderbohrung nicht erreicht. Geothermie liefert somit dauerhaft, wetterunabhängig und regional Energie und kann als zuverlässige, stabile und langfristig verfügbare Wärmequelle genutzt werden, auch in Krisenzeiten.
Zum aktuellen Zeitpunkt befindet sich das Projekt noch in einer frühen Planungsphase. Aussagen zum Umfang und Zeitpunkt der Geothermiebohrungen können daher noch nicht getroffen werden, da die hierfür erforderlichen seismischen Untersuchungen (Seismik) noch durchgeführt werden müssen. Nach Abschluss der Seismik kann auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse bewertet werden, welche Standorte für das Projekt infrage kommen. Ein konkreter Zeitpunkt für die Durchführung der Geothermiebohrungen wird ebenso im weiteren Projektverlauf unter Berücksichtigung der Ergebnisse der seismischen Untersuchungen sowie des Planungs- und Genehmigungsfortschritts festgelegt.

Sinsheim liegt günstig in der Einflusszone des Oberrheingrabens. Unter der Stadt befinden sich mächtige Sedimentschichten (insb. Kalk- und Sandstein) sowie kristalline Gesteinsschichten. Mit zunehmender Tiefe steigen die Temperaturen auf über 100 °C an. Dadurch besitzt die Region gute Voraussetzungen für die Nutzung von Geothermie zur nachhaltigen Wärmeversorgung. Besonders wichtig für die Geothermie sind die wasserführenden Kalk- und Sandsteinschichten, da sie Wärme gut speichern und transportieren können. Aktuell erwarten wir in einer Tiefe von bis zu 1.000 Metern Temperaturen von rund 50 °C, die wir voraussichtlich als Wärmequelle nutzen können.

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) stellt weitere Übersichtskarten und Informationen in seinem interaktiven Kartenviewer zur Verfügung.

Link zum interaktiven Kartenviewer des LGRB: https://maps.lgrb-bw.de/?app=lgrb&view=lgrb_gbo

Vibro-Trucks oder Seismik-Trucks sind Spezialfahrzeuge mit Vibratoren. Die Vibratoren haben eine große Masse und sind im Fahrzeugmittelteil mit Rüttelplatten ausgestattet, die zumeist hydraulisch betrieben werden. Diese bewegliche Rüttelplatten (sog. Vibratorplatten) werden auf die Erdoberfläche gepresst und geben ein Vibrationssignal an den Untergrund ab, das die Erdoberfläche in leichte, kaum wahrnehmbare Schwingungen versetzt. Die Schwingungen werden von den unterschiedlichen Gesteinsschichten reflektiert und als Signale von sogenannten Geophonen an der Erdoberfläche wieder empfangen. Anschließend können die Signale ausgewertet werden und einen genaueren Eindruck über die Untergrundverhältnisse liefern.

Das Verfahren ist sicher und in zahlreichen Projekten in Deutschland und Europa erprobt und ungefährlich.

Mit der Aufsuchungserlaubnis soll eine rechteckige Fläche von circa 8.100 Hektar um die Thermen & Badewelt untersucht werden.

Im Rahmen der Planung eines Geothermieprojekts und des anschließenden Genehmigungsverfahrens wird geprüft und sichergestellt, dass keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Grundwasservorkommen zu erwarten sind und weder bestehende noch zukünftige Nutzungen beeinträchtigt werden. Durch den regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Fachbehörden ist der Schutz des Grundwassers während des gesamten Betriebs gewährleistet.

Die für Geothermieanlagen genutzten Wasserquellen können nicht aufgrund der Geothermieanlage versiegen, da das geförderte Wasser in einem geschlossenen Kreislauf wieder zurückgeführt wird. Auch bei der Nutzung von Tiefengrundwasser für die Versorgung mit Trinkwasser kann die Wasserquelle nicht aufgrund der Entnahme versiegen, da sichergestellt werden muss, dass die Quelle auf natürlichem Weg im gleichen Umfang mit neuem Wasser versorgt wird.

Aufgrund der Tiefe der wasserführenden Schichten sowie dem konstanten Nachfluss neuen Wassers kann es selbst bei einer Wasserentnahme zu keinem Absinken der Oberfläche kommen.

Bei Planung, Bau und Betrieb von Geothermieanlagen kommen unter höchsten Sicherheitsstandards modernste Technologien zum Einsatz. Dabei nutzt unser Projektteam seine langjährige Erfahrung aus anderen Geothermievorhaben, wie sie zum Beispiel an den Thermen-Standorten Erding und Bukarest erfolgreich umgesetzt worden sind. In Erding erfolgt die Nutzung über natürliches Thermalwasser für den Badebetrieb sowie zur Wärmeversorgung, während in Bukarest geothermische Energie gezielt zur Wärme- und Energieversorgung der Anlage eingesetzt wird. Die Beispiele zeigen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Geothermie im Thermenbetrieb.

Eine transparente und bürgernahe Kommunikation ist uns ein wichtiges Anliegen. Deshalb informieren wir die Öffentlichkeit über alle wichtigen Meilensteine im Projekt und treten vor Ort bei Veranstaltungen in den persönlichen Austausch. Vor Beginn der ersten Arbeiten erhalten die Anwohnerinnen und Anwohner außerdem Informationsmaterial, in dem erklärt wird, wie die Seismik-Messungen ablaufen und welche Technik dabei zum Einsatz kommt.

Schreiben Sie uns eine Nachricht

Wenn Sie Fragen zum Projekt haben oder weitere Informationen wünschen, freuen wir uns über eine Nachricht von Ihnen.

Schreiben Sie uns eine E-Mail über das Formular oder direkt an: dialog@geothermie-sinsheim.de

Für Presseanfragen wenden Sie sich gerne an: presse@geothermie-sinsheim.de

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